Aufnahme-Praxis
Gesang aufnehmen: so klingt deine Stimme zu Hause gut
Der Raum ist wichtiger als das Mikrofon. Mit ein paar einfachen Regeln gelingt eine saubere Gesangsaufnahme auch im Wohnzimmer.
Kurz gesagt Nimm in einem möglichst wenig hallenden Raum auf, sing mit 10 bis 20 cm Abstand durch einen Popschutz ins Mikrofon, stelle den Pegel so ein, dass die lauteste Stelle nicht übersteuert, hör das Playback über geschlossene Kopfhörer und nimm mehrere Takes auf.
Welcher Raum eignet sich?
Ein Mikrofon nimmt neben deiner Stimme auch den Raum auf. Kahle Wände, Fenster und Fliesen werfen den Schall zurück, die Aufnahme klingt dann hallig und „nach Zimmer“. Das lässt sich später kaum entfernen.
- Wähle einen Raum mit Teppich, Vorhängen, Sofa, Bett oder vollen Regalen.
- Stell dich nicht in eine Ecke und nicht direkt vor eine Wand.
- Hänge hinter dich eine dicke Decke oder stell dich vor einen offenen Kleiderschrank. Das Mikrofon „sieht“ vor allem, was hinter dir ist.
- Schalte Störquellen aus: Lüfter, Kühlschrank, tickende Uhren, Handy-Benachrichtigungen.
Welches Mikrofon brauche ich?
| Typ | Klang | Passt gut, wenn |
|---|---|---|
| Großmembran-Kondensator | Detailreich und offen | der Raum ruhig und gedämpft ist |
| Dynamisches Mikrofon | Direkt, nimmt wenig Raum mit auf | der Raum hallt oder es Nebengeräusche gibt |
| USB-Mikrofon | Je nach Modell | du ohne Audio-Interface starten willst |
Kondensatormikrofone brauchen 48 V Phantomspeisung vom Interface. In einem unbehandelten Raum klingt ein dynamisches Mikrofon oft besser als ein teures Kondensatormikrofon.
Wie positioniere ich das Mikrofon?
- Abstand: etwa 10 bis 20 cm, grob eine Handbreit. Näher klingt wärmer und bassiger, weiter weg natürlicher, aber mit mehr Raum.
- Popschutz: ein paar Zentimeter vor das Mikrofon. Er bremst die Luftstöße von P und B.
- Höhe: Kapsel etwa auf Höhe von Mund bis Nase. Sing leicht am Mikrofon vorbei, das mildert scharfe S-Laute.
- Haltung: Sing im Stehen und halte den Abstand konstant. Bei sehr lauten Stellen gehst du ein Stück zurück.
Wie stelle ich den Pegel ein?
Sing die lauteste Stelle des Songs und dreh den Gain am Interface so weit auf, dass die Anzeige kräftig ausschlägt, aber Luft nach oben bleibt. Als Richtwert gelten Spitzen um −12 bis −6 dBFS. Übersteuerung verzerrt und ist nicht zu reparieren, ein etwas zu leiser Pegel lässt sich bei 24 Bit dagegen problemlos anheben. Im Studio von musikaufnehmen.com zeigt die Anzeige „Pegel“ das Eingangssignal.
Wie läuft die Aufnahme ab?
- Sing dich ein und stell ein Glas Wasser bereit.
- Setz geschlossene Kopfhörer auf, damit das Playback nicht ins Mikrofon gelangt. Viele hören sich besser, wenn eine Ohrmuschel leicht versetzt sitzt.
- Wähle im Studio unter „Kanäle“ die Einstellung „Mono“ und miss einmal die Latenz.
- Nimm den Song mehrmals komplett auf, jeden Durchgang auf einer eigenen Spur.
- Stelle die beste Fassung zusammen: Mit dem Schnitt-Werkzeug teilst du die Takes und behältst von jeder Stelle die gelungenste. Kurze Fades an den Schnitten verhindern Knackser.
- Für einen volleren Refrain singst du die Stimme ein zweites Mal ein („Doppeln“) und mischst sie leiser dazu.
Häufige Fragen
Kann ich Gesang mit dem Laptop- oder Headset-Mikrofon aufnehmen?
Für eine Skizze oder ein Demo ja. Eingebaute Mikrofone rauschen mehr, nehmen viel Raum auf und werden vom System oft automatisch nachgeregelt. Für eine Aufnahme, die du veröffentlichen möchtest, lohnt sich ein eigenes Mikrofon.
Was hilft gegen zischende S-Laute und knallende P-Laute?
Ein Popschutz, etwas mehr Abstand und leicht schräges Ansingen. Dreh das Mikrofon dazu ein paar Grad zur Seite oder positioniere es etwas über Mundhöhe.
Soll ich mit Hall aufnehmen?
Nein. Nimm die Stimme trocken auf. Hall und andere Effekte fügt man beim Mischen hinzu, dann lassen sie sich jederzeit ändern.